Musikverein "Eintracht" 1928 Wagenschwend e.V.
Musikverein "Eintracht" 1928 Wagenschwend e.V.

Gedenken endet nicht auf dem Friedhof

Einweihungs- und Gedenkfeier an der Grabanlage von Hanka Szendzielarz in Wagenschwend

Von Nadine Slaby
Wagenschwend. Hanka Szendzielarz ist eine von Tausenden Toten, die der Zweite Weltkrieg forderte. Ein Schicksal unter vielen, das nun durch die intensive Recherchearbeit von Marliese und Gerhard Schäfer vom Heimat- und Museumsverein Wagenschwend, aufbauend auf der Vorarbeit von Dr. Hans Peter Sattler, aufgearbeitet werden konnte. Zur Einweihung der neu gestalteten Grabanlage fanden am Sonntag ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Wagenschwend sowie eine Gedenkfeier auf dem Friedhof statt.

 

Am 24. Februar 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, wird die junge Mutter Hanka Szendzielarz, die als Zwangsarbeiterin in Wagenschwend untergebracht war, ins Gasthaus „Linde“ gerufen. Zwei verdächtige Personen sind vom Wagenschwender Förster aufgegriffen und dorthin verbracht worden, wo der im Wehrmeldeamt stationierte Oberstleutnant Rudolf Sattler sie verhören soll. Hanka Szendzielarz soll dolmetschen. Als die Verdächtigen, Oscar Silic und Emile Robert Birtin, in Wirklichkeit US-Kundschafter, daraufhin in Panik geraten, erschießen sie den Oberstleutnant und Hanka. Beim folgenden Handgemenge kommen auch Silic und Birtin ums Leben.

 

Rudolf Sattler wurde auf einem Soldatenfriedhof in Heidelberg beigesetzt, die US-Kundschafter sowie Hanka Szendzielarz in Wagenschwend begraben. Nach Kriegsende exhumierten die Amerikaner Silic und Birtin und setzten sie auf einem unbekannten Friedhof bei. Die sterblichen Überreste der polnischen Zwangsarbeiterin verblieben in Wagenschwend. Ihr Grab wurde von der Familie Grimm sowie der Gemeinde Wagenschwend erhalten und gepflegt und nun als Gedenkstätte mit einer Infotafel und einer Ruhebank neu hergerichtet.

 

„Gemeinsam, egal ob Deutsche oder Polen, glauben wir, dass der Auferstandene in unserer Mitte weilt und Gott uns eint und Gemeinschaft über die Kulturen hinweg stiftet“, begann Pfarrer Ulrich Stoffers den „besonderen Gottesdienst“, zu dem auch Verwandte der Getöteten sowie der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung „Arche“ aus Danzig, Mariusz Kocinski, sowie Marcin Krol, stellvertretender Generalkonsul der Republik Polen, angereist waren. Diakon Joachim Szendzielorz begrüßte die Gäste auf polnisch und las das Gleichnis aus dem Evangelium nach Johannes, in dem Jesus als Hirte dargestellt wird, sowohl auf deutsch als auch auf polnisch. „Wer führt uns, wem vertrauen wir uns an? Fragen, die wir uns auch heute immer wieder stellen müssen“, so Pfarrer Stoffers. Die Christen dürften aber sicher sein, dass Jesus sie auf dem schwierigen Weg zum Heil führen würde.

 

Nach dem Gottesdienst, der vom Kirchenchor „Frohsinn“ mitgestaltet wurde, begab sich die Gemeinde zum etwas entfernt liegenden Friedhof zur Einweihung der neuen Grabstätte.

Die Teilnehmer der Gedenkfeier an der neu gestalteten Grabanlage von Hanka Szendzielarz. Foto: Nadin Slaby

Bürgermeister Bruno Stipp begrüßte nach einem musikalischen Auftakt durch den Musikverein „Eintracht“ Wagenschwend in der Aussegnungshalle erneut Halina Morawska, die Nichte von Hanka Szendzielarz, sowie die Enkelin von Halina Morawska, Agnieszka Morawska. Des Weiteren auch Landrat Dr. Achim Brötel sowie Ewa Damasiewicz-Fischer, die als Vertreterin und Übersetzerin für Dr. Isabella Parowicz aus Polen der Veranstaltung beiwohnte. Stipps Dank ging an alle, die an der Aufarbeitung sowie der Pflege der Grabstätte beteiligt waren. Darunter auch die Vorsitzende der KZ-Gedenkstätte Neckarelz, Dorothee Roos. Er wie auch Landrat Achim Brötel betonten, dass die Erinnerung an den Krieg und seine Opfer sowie das Nachdenken über die Ursachen und Beweggründe, wie es Brötel nannte, wichtig für eine bessere Zukunft seien.

 

Zwei Mädchen der Katholischen Landjugend verdeutlichten, was an diesem 24. Februar 1945 noch alles in der Welt geschah. Hankas Geschichte stellte Gerhard Schäfer vor (die er auch in einem kleinen Buch veröffentlichte). Gerhard Schäfer erzählte auch von den Begegnungen mit Hankas Tochter Barbara, die zwei Mal kurz vor ihrem eigenen Tod das Grab ihrer Mutter besuchte, sowie von seinem eigenen Besuch in Warschau zum Staatsbegräbnis von Hankas Mann dem Widerstandskämpfer und polnischen Nationalhelden Zygmunt Szendzielarz.

 

Nach einer Einlage der Gruppe HuMOR verlas Ewa Damasiewicz-Fischer einen Brief von Dr. Isabella Parowicz, in dem diese im Namen der Familie allen Engagierten in Wagenschwend dankte. Der stellvertretende Generalkonsul stellte in seinem Grußwort das Leben von Hankas berühmtem Mann vor. Den Nationalhelden kenne in Polen jedes Kind.

 

Hankas Nichte hatte am Abend vorher noch ein Grußwort formuliert, das ihre Enkelin vortrug und welches Ewa Damasiewicz-Fischer übersetzte. Sie war glücklich, dass die „Geschichte nicht auf dem Friedhof endet“, sondern das Gedenken an Hanka aufgrund der Wagenschwender überdauerte.

 

Pfarrer Ulrich Stoffers weihte im Anschluss das Grab, an dem sich alle trotz des strömenden Regens versammelten, um Hanka sowie der tragischen Umstände ihres Todes zu gedenken. Aber auch, um sich symbolisch die Hand zu reichen und damit der Geschichte und dem einstigen Hass zum Trotz.
(Quelle: RNZ 11.05.2017)

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